Drachenherz

Gemeinsame Pressemitteilung des Blauen Kreuzes und des Landkreises Marburg-Biedenkopf * ´Drachenherz´ ist ein Beratungsangebot, für Kinder und Jugendliche, deren Eltern an einer Alkoholerkrankung leiden - E.ON Mitte Natur GmbH spendet für ein wichtiges Projekt

Marburg-Biedenkopf – Die E.ON Mitte Natur GmbH, ein Tochterunternehmen der E.ON Mitte AG, spendete auf Vermittlung des Landkreises Marburg-Biedenkopf 1.000 Euro an das Kinder- und Jugendprojekt „Drachenherz“ des Blauen Kreuzes Marburg. Die Spendenübergabe fand am 1. März 2010 in der Suchtberatungsstelle des Blauen Kreuzes in Marburg statt. Bei der Spendenübergabe waren Martin Severin, Geschäftsführer der E.ON Mitte Natur GmbH, Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern und Uwe Pöppler vom Fachbereich Familie, Jugend und Soziales für den Landkreis Marburg-Biedenkopf sowie Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle vertreten, die sich auch nochmals über das Projekt informierten.

„Zum Angebot der Suchtberatungsstelle gehört seit etwas mehr als zwei Jahren ein spezifisches Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Damit gehört das Blaue Kreuz Marburg zu einer der wenigen Beratungsstellen in Deutschland, die sich speziell mit dieser Zielgruppe befassen“, erläuterte Stefan Stark vom Blauen Kreuz in Marburg.

In Deutschland leben etwa 2,7 Millionen Kinder, die in einer alkoholbelasteten Familie aufwachsen. Somit ist jedes sechste Kind in Deutschland betroffen. Wissenschaftliche Untersuchungen über derart betroffenen Kinder verweisen darauf, das etwa 30 Prozent später selbst suchtmittelabhängig werden und stellen darüber hinaus eine Risikogruppe auch für psychische Erkrankungen.

Das Projekt „Drachenherz“ wird derzeit über Fördermittel der Aktion Mensch, der Stiftung „Annakai“, der Stiftung „Deutsche Kindersuchthilfe“ und Spenden getragen.

"Ich finde es sehr gut, dass sich das Blaue Kreuz gerade um die Kinder und Jugendlichen kümmert, deren Eltern von Alkoholkrankheit betroffen sind. Die Erfahrungen mit Drachenherz sind sehr positiv. Daher freut es mich, dass E.ON Mitte Natur durch die Spende einen Beitrag zur Finanzierung der Aktivität leistet und hoffentlich beispielgebend für andere Spender ist", sagte Dr. McGovern

Martin Severin betonte, dass die E.ON Mitte Natur GmbH dieses Projekt gerne unterstütze: „Wenn wir hier Kindern und Jugendlichen in schwierigen Lebenssituationen mit unserer Spende ein wenig weiterhelfen können, ist das eine gute Sache. Es gehört zur gesellschaftlichen Verantwortung von E.ON Mitte, besondere Projekte und Initiativen in der Jugend- und Sozialarbeit in der Region zu fördern. Als regional ansässiges Unternehmen möchten wir daher gerne auch etwas in die Region zurück zu geben", sagte Severin. Er wünschte dem Projekt und allen Beteiligten auch künftig viel Erfolg.


Hintergrundinfos zum Projekt

´Drachenherz´ ist ein Beratungsangebot, für Kinder und Jugendliche, deren Eltern an einer Alkoholerkrankung leiden. In Deutschland leben etwa 2,65 Millionen betroffene Kinder.
Wir unterstützen Kinder und Jugendliche im Altersspektrum von 5 bis etwa 18 Jahren mit Einzel- und Gruppenangeboten sowie durch unsere Online-Beratung.
Neben der direkten Beratungsarbeit mit Betroffenen ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Öffentlichkeit auf die Situation der Kinder und Jugendlichen aufmerksam zu machen. Dies geschieht über Schuleinsätze, Fortbildungen und Seminarangebote.

Träger des Projektes
Drachenherz ist ein Projekt des Blauen Kreuzes in Deutschland e.V. – Ortsverein Marburg.

Warum dieser Projektname?
Der Name wurde bewusst gewählt, so dass weder Eltern noch teilnehmende Kinder stigmatisiert werden, sondern ein positives Zugehörigkeitsgefühl entwickeln können.

Warum ein solches Angebot?
In Deutschland gibt es nach offiziellen Schätzungen etwa 1,8 Millionen alkoholabhängige Menschen und weitere 10 Millionen Menschen mit schädlichem Alkoholgebrauch. Etwa 70% der alkoholabhängigen Personen sind Männer ab 20 Jahren aufwärts. Schätzungen gehen davon aus, dass damit 2,65 Millionen Kinder direkt von den Auswirkungen der Abhängigkeit betroffen sind (vgl. Klein & Zobel).
Im Landkreis Marburg-Biedenkopf (etwa 253.000 Einwohner) ist von ca. 8.400 Kindern und Jugendlichen auszugehen, die durch die Suchtmittelabhängigkeit ihrer Eltern betroffen sind (vgl. Eltern-Kind-Suchtberatung. Leitfaden des Paritätischen Wohlfahrtverbandes NRW, 5).

Ein auf die Bedürfnisse dieser Kinder zugeschnittenes Angebot gab es bisher weder im Landkreis noch in der Stadt Marburg. Generell sind adäquate ambulante Projekte rar, bundesweit gibt es 47. Es besteht eine deutliche Unterversorgung der betroffenen Kinder.

Situation betroffener Kinder
Was erleben die Kinder in ihren Familien?
• Chaos und Unberechenbarkeit im Familienalltag
• Inkonsequentes Erziehungsverhalten und nicht eingehaltene Versprechen
• Streit und eine ständig angespannte Atmosphäre
• Fehlende Geborgenheit
• Gewalt (seelisch & körperlich)
• Suizid(versuche) von Angehörigen
• Die Sucht steht im familiären Mittelpunkt, ohne das darüber geredet werden darf
Wie reagieren Kinder auf die Sucht ihrer Eltern?
Zwar reagiert nicht jedes Kind aus einer Suchtfamilie mit Verhaltensauffälligkeiten, da einige Kinder Resilienzen (Schutzfaktoren) aufweisen, die ihnen helfen die familiäre Situation weitgehend unbelastet zu überstehen; dennoch zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass eine Großzahl der betroffenen Kinder
• geringere Leistungen in Intelligenztests und in der Sprachkompetenz zeigen,
• häufiger unter Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen leiden,
• häufiger eine Störung des Sozialverhaltens aufweisen,
• vermehrt unter Ängsten und Depressionen leiden,
• sie häufiger körperliche Misshandlungen und/oder sexuellen Missbrauch erfahren und
• sie eher zu psychosomatischen und somatischen Symptomen neigen.
• Etwa 30% der Kinder werden selbst später drogen- oder alkoholabhängig. Das Risiko ist im Vergleich zu Kindern aus „unbelasteten“ Familien um das sechsfache höher.

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Freuen sich über die Unterstützung für ein wichtiges Projekt: Martin Severin (Geschäftführer der E.ON Mitte Natur GmbH), Stefan Stark (Leiter des Priojekts Drachenherz) und der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern bei der Spendenübergabe. (Foto: Landkreis)

 
Ein Service des Landkreises Marburg-Biedenkopf